Qingliang Wenyi, auch bekannt als Fayan Wenyi, war ein bedeutender chinesischer Chan-Meister des 10. Jahrhunderts. Er wurde 885 in der heutigen Provinz Zhejiang geboren und starb 958. Er gilt als Begründer der Fayan-Schule, einer der fünf großen Traditionslinien des chinesischen Chan-Buddhismus.
Bereits in jungen Jahren trat Wenyi in ein Kloster ein und erhielt mit zwanzig Jahren die volle Mönchsweihe. Seine frühe Ausbildung war geprägt von intensivem Studium der Vinaya sowie klassischer Texte. Trotz großer Gelehrsamkeit suchte er die direkte Erfahrung des Chan und begab sich auf Wanderschaft zu verschiedenen Meistern.
Die entscheidende Wende seines spirituellen Weges erfolgte in der Begegnung mit dem Chan-Meister Guichen. Dessen Aussage „Nichtwissen ist das Vertrauteste“ führte Wenyi zur Einsicht, dass wahre Erkenntnis nicht durch begriffliches Denken, sondern durch unmittelbare Erfahrung entsteht. Nach intensiver Praxis erlangte Wenyi eine plötzliche Erleuchtung und wurde als Dharma-Nachfolger bestätigt.
Als Lehrer wirkte Wenyi zunächst in Südchina, später am Hof des Königreichs Nan-Tang in Nanjing. Dort leitete er das Qingliang-Kloster, von dem sich sein Name ableitet. Er gewann großes Ansehen, unterrichtete zahlreiche Schüler und trug wesentlich zur Verbreitung des Chan-Buddhismus bei.
Wenyis Lehrweise verband direkte meditative Erfahrung mit einem fundierten Verständnis der buddhistischen Lehre. Er betonte die Einheit von Meditation und Lehre und wandte sich sowohl gegen reinen Intellektualismus als auch gegen anti-intellektuelle Vereinfachung. In seinen Unterweisungen arbeitete er mit paradoxen Antworten, Alltagsbildern und individueller Anleitung.
Seine wichtigste Schrift ist eine Abhandlung über die Grundregeln der Chan-Schule, in der er Fehlentwicklungen kritisierte und die gemeinsame Essenz aller Chan-Traditionen hervorhob. Neben Weisheit betonte er Mitgefühl, ethische Praxis und die konkrete Umsetzung des Weges.
Qingliang Wenyi starb 958 in meditativer Haltung. Er wurde posthum mit hohen Ehrentiteln geehrt. Seine Schule ging später in anderen Chan-Traditionen auf, doch seine Lehren wirkten nachhaltig weiter. Besonders die Betonung der Balance von Praxis, Lehre und ethischer Disziplin prägte den Chan- und späteren Zen-Buddhismus entscheidend.
Qingliang Wenyi gilt als eine Schlüsselfigur des chinesischen Chan, die Tradition und Erneuerung verband und deren Einfluss über China hinaus bis nach Korea und Japan reichte.