Yōka Daishi (chinesisch: Yongjia Xuanjue) war ein buddhistischer Mönch und Lehrer der Tang-Dynastie, der in der Chan/Zen-Überlieferung vor allem als Autor bzw. Namensgeber des „Lieds der Erleuchtung“ gilt. Die verlässlichsten Lebensdaten werden mit 665–713 angegeben.[1]
Nach wissenschaftlicher Einschätzung ist seine Biographie ein gutes Beispiel dafür, wie buddhistische „Schul“- und Linienzugehörigkeiten in China historisch nachträglich zugespitzt wurden: Die früheste erhaltene Lebensnotiz findet sich im Vorwort zur Yongjia ji (永嘉集), das kurz nach seinem Tod von einem Zeitgenossen (Wei Jing) zusammengestellt wurde.[1][2] Diese frühe Quelle zeichnet ihn nicht eindeutig als Vertreter einer bestimmten „Schule“ aus, berichtet nicht von einer Begegnung mit dem sechsten Chan-Patriarchen und enthält nicht das „Lied der Erleuchtung“.[2] Erst Jahrhunderte später erscheinen ausführliche Chan-Biographien, in denen die berühmte Episode vom „Über-Nacht-Gast“ (eine nur eintägige Begegnung, in der seine Einsicht bestätigt wird) ausgearbeitet und seine Zuordnung zur Huineng-Linie festgeschrieben wird.[1][2] Die Forschung weist dabei auch auf anachronistische Formulierungen in diesen späteren Erzählungen hin, die eine rückblickende Konstruktion wahrscheinlich machen.[2]
Unabhängig von diesen historiographischen Schichtungen ist in den Quellen konsistent, dass Yōka Daishi eine solide Sutra- und Meditationsausbildung hatte und sein Profil an der Schnittstelle von gelehrter Praxis und meditativer Chan-Frömmigkeit gelesen werden kann.[1][2] Genau diese Doppelperspektive erklärt, warum spätere Traditionsgeschichten ihn teils als Chan-Meister, teils als der Tiantai-Tradition zugehörig darstellen und warum darüber bereits in vormoderner Zeit kontrovers diskutiert wurde.[1]
Sein bekanntester Text ist das „Lied der Erleuchtung“ (Zhengdao ge, 證道歌; im Zen oft als klassisches Lehrgedicht behandelt).[1] Inhaltlich verdichtet es zentrale Chan-Motive wie unmittelbare Einsicht, Nicht-Anhaften und die Kritik an bloß begrifflichem Verstehen. Zugleich ist die Autorschaft wissenschaftlich nicht als gesichert zu behandeln: Tiantai-Autoren und moderne Forscher haben die Zuschreibung an Yōka Daishi kritisch hinterfragt; zudem stützt die frühe Yongjia ji-Überlieferung die Zuschreibung nicht.[1][2] Als zweites wichtiges Werk gilt die Yongjia ji selbst, eine Sammlung, die (in der Form, wie sie überliefert ist) maßgeblich für die spätere biographische und doktrinäre Rezeption wurde.[1][2]
In der Chan/Zen-Linienlogik wird Yōka Daishi üblicherweise als Dharma-Schüler des 6. Patriarchen Huineng eingeordnet.[1] Für die Einordnung in die „Zen-Richtungen“ ist entscheidend: Zu seiner Lebenszeit waren die späteren Hauptschulen (etwa Linji/Rinzai oder Caodong/Sōtō) historisch noch nicht als ausdifferenzierte Institutionen etabliert; seine Bedeutung liegt daher weniger in einer „Schulgründung“ als in der Rolle, die er in späteren genealogischen Darstellungen als Autoritätsträger der frühen Huineng-Tradition einnimmt.[2][3] Überblicksdarstellungen zur Chan/Zen-Geschichte behandeln ihn entsprechend als Figur der Formierungsphase, in der Genealogien, hagiographische Muster und Kanonisierungen („Lampenüberlieferungen“) zunehmend zur Legitimation religiöser Autorität eingesetzt wurden.[3][4]