Zen-Guide
  • Zentren
  • Termine
  • Meister
  • Lehrer
  • Links
  • Texte
  • Bücher
  • Galerie

Zen-Meister | Dahui Zonggao

1089 - 1163

Dahui Zonggao

Zen-Meister Dahui Zonggao (1089–1163) war ein bedeutender chinesischer Chan-Buddhismus-Lehrer der Song-Dynastie.[1] Als Schüler des Linji-Meisters Yuanwu Keqin und Vertreter der Yangqi-Linie spielte er eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung der Kōan-Praxis im Chan und wurde zur dominierenden Gestalt der Linji-Schule im 12. Jahrhundert.[1] Er führte die Meditation über das „Schlüsselwort“ (hua tou) eines Kōans als Methode zur Erlangung von Erleuchtung ein und betonte dabei die besondere Bedeutung des Zweifelns im Geistestraining.[2] Gleichzeitig wandte er sich entschieden gegen die Praxis des „stillen Erleuchtens“ der konkurrierenden Caodong-Schule, die er als irrig und schädlich kritisierte.[2]

Frühe Jahre und Ausbildung: Dahui wurde 1089 in Xuancheng (Provinz Anhui) unter dem Familiennamen Xi geboren. Mit 16 Jahren verließ er sein Elternhaus und trat in das monastische Leben ein; mit 17 erhielt er die volle Ordination zum buddhistischen Mönch.[2] Er nahm den Ordinationsnamen Zonggao an und zog – wie damals üblich – als Wandermönch von Kloster zu Kloster, um Belehrungen verschiedener Chan-Meister zu suchen.[2] Zunächst lernte er bei einem Lehrer der Caodong-Schule und studierte in nur zwei Jahren die dortigen Lehren der „Fünf Rangstufen“ (悟中五位). Er machte sich mit den Aufzeichnungen der fünf Hauptlinien des Chan vertraut und war besonders von den überlieferten Worten des Meisters Yunmen Wenyan (864–949) beeindruckt.[2] Zudem vertiefte er sich in die Sammlung von Chan-Anekdoten und Sprüchen, die Meister Xuedou Chongxian zusammengestellt hatte – Texte, die später als Biyan Lu („Aufzeichnungen vom Blauen Fels“, Blue Cliff Record) bekannt wurden.[2]

Weg zur Erleuchtung: Unzufrieden mit bloßem Studium und intellektuellem Verständnis suchte Dahui im Alter von 21 Jahren einen angesehenen Lehrer der Linji-Schule auf.[2] Er begab sich auf den Schatzgipfel-Berg (chin. Baofeng) in Jiangxi und trat in die Schule von Meister Zhantang Wenzhun ein, der der Huanglong-Linie der Linji-Tradition angehörte. Obwohl Dahui bei Meister Zhantang ein tiefes Textverständnis und redegewandtes Auftreten bewies, blieb ihm eine direkte Erleuchtung zunächst versagt. Sein Lehrer durchschaute Dahuis „scheinbares Chan“ und bemerkte kritisch, Dahui könne zwar die Worte der alten Meister zitieren und kluge Dharmavorträge halten, habe aber noch kein echtes Erwachen erlebt.[2] Infolgedessen verließ Dahui einige Jahre später Jiangxi und reiste nach Bianjing (Kaifeng), um dort beim berühmten Linji-Meister Yuanwu Keqin zu lernen – dem Herausgeber der Blue Cliff Record und wichtigsten Chan-Lehrer seiner Zeit.[2] Dahui gelobte, neun Jahre lang unter Yuanwu zu üben und das wahre Erwachen zu erlangen, andernfalls wolle er den Zen-Weg aufgeben. Meister Yuanwu gab ihm ein Kōan des Ahnen Yunmen als Übungsfall: „Der Ostberg schreitet über das Wasser.“ Über dieses Paradox meditierte Dahui beharrlich Tag und Nacht und legte innerhalb von einiger Zeit seinem Lehrer fast fünfzig Antworten vor, die jedoch allesamt zurückgewiesen wurden. Schließlich erlebte Dahui im Mai 1125 – während einer Lehrrede Yuanwus über ebenjenes Kōan – seinen ersten tiefgreifenden Erleuchtungsmoment, bei dem „es kein Vorher und Nachher mehr gab“ und sein Geist in große Ruhe fiel.[2] Yuanwu erkannte Dahuis Fortschritt an, wies ihn aber zugleich darauf hin, dass sein Durchbruch noch vertieft werden müsse. Er ermahnte Dahui, noch radikaler alle Konzepte loszulassen und eine alles durchdringende Zweifelshaltung zu kultivieren, um völlig „zu sterben und ins Leben zurückzukehren“. Daraufhin gab Yuanwu ihm ein weiteres Kōan auf („Sein und Nichtsein – wie Glyzinien, die an einem Baum ranken“), an dem Dahui ein halbes Jahr arbeitete, bis er schlussendlich die volle Erleuchtung erlangte. Yuanwu bestätigte ihn nun als seinen erwachten Schüler und Dharma-Erben der Linji-Schule.

Lehrtätigkeit und Einfluss: Nach seinem Erwachen übertrug Meister Yuanwu dem inzwischen Mitte dreißigjährigen Dahui erste Lehrfunktionen. Dahui begann zu lehren und zog bald die Aufmerksamkeit vieler Schüler auf sich. Er wurde bekannt für seine unkonventionellen und direkten Methoden, um Schüler zur Einsicht zu führen. So scheute er sich nicht, berühmte Zen-Texte aus dem Verkehr zu ziehen, wenn er deren missbräuchliche Verwendung befürchtete: In einem radikalen Schritt ließ Dahui alle vorhandenen Exemplare der Blue Cliff Record – der Kōan-Sammlung seines eigenen Lehrmeisters – aufkaufen und verbrennen, um einer aus seiner Sicht allzu literarischen Annäherung an die Zen-Geschichten entgegenzuwirken.[2] Statt bloßer Textstudien betonte er die lebendige meditative Versenkung in den hua tou, den „kritischen Satz“ eines Kōan, als Weg zur Überwindung von Geburt und Tod. Diese Kanhua-Chan genannte Praxis der „Betrachtung des Wort-Kōan“ vermittelte Dahui nicht nur an Mönche, sondern auch an Laien und gebildete Konfuzianer, die zu seinen Vortragsversammlungen strömten.[1][2] Mit seiner scharfen Kritik an der stille-meditativen Schulrichtung der Caodong-Schule entfachte er zwar Spannungen innerhalb der Zen-Gemeinschaft, festigte aber zugleich die Stellung der Linji-Richtung. Im Jahr 1137 wurde Dahui – mittlerweile ein weithin verehrter Meister – vom Kanzler Zhang Jun, einem seiner Laien-Schüler am Kaiserhof, zum Abt des Jingshan-Klosters in Lin’an (dem neuen Süden Chinas) ernannt.[2] Unter Dahuis Leitung wuchs die dortige Mönchsgemeinde auf mehrere Tausend Mitglieder an, und auch zahlreiche hochrangige Beamte zählten zu seinen Anhängern. Dahui galt in dieser Zeit als führender Vertreter des Buddhismus im Reich der Südlichen Song.[2]

Verbannung und Rückkehr: In den frühen 1140er Jahren geriet Dahui jedoch in den Sog politischer Machtkämpfe. Er war eng mit einflussreichen Gelehrten-Beamten verbunden, die am Hofe eine konsequente Haltung gegenüber den Jurchen-Invasoren forderten. Als diese „Kriegspartei“ am Kaiserhof in Ungnade fiel, traf dies auch Dahui: 1141 wurden ihm alle kaiserlichen Ehrentitel aberkannt, und er wurde ins Exil verbannt.[2] Man schickte ihn zunächst in die Provinz Hunan und wenig später noch weiter in das entlegene Guangdong, das berüchtigt für sein ungesundes Klima war. Selbst dort setzten zahlreiche Schüler ihre Ausbildung unter Dahui fort, doch rafften Seuchen über fünfzig seiner Mönche dahin.[2] Erst 1155, nach dem Tod des machtvollen Kanzlers Qin Gui, wurde Dahui offiziell begnadigt. Er durfte in die Hauptstadt zurückkehren und sein Amt im Jingshan-Kloster wieder aufnehmen. Trotz der langen Verbannung hatte Dahuis Ansehen nicht gelitten: Er wurde vom Kaiser wieder ehrenvoll empfangen und erhielt den Ehrentitel „Große Weisheit“ (chinesisch: Dahui), unter dem er bis heute bekannt ist.[1] Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er lehrend und meditierend auf dem Jing-Berg bei Hangzhou.

Letzte Jahre und Vermächtnis: Dahui Zonggao starb am 10. August 1163 im Alter von 74 Jahren in seinem Kloster bei Hangzhou. Kurz vor seinem Tod verfasste er ein letztes Vierzeilengedicht als Abschiedsverse für seine Schüler: „Geburt ist so, / Tod ist so; / Vers oder kein Vers – / was soll die Aufregung?“[3] Mit diesem Gelassenheit ausdrückenden Gāthā demonstrierte er nochmals den freien Geist des Chan. Kaiser Xiaozong verlieh ihm postum den Titel „Chan-Meister der Großen Weisheit“ (大慧禪師), wodurch sein Ehrenname Dahui („Große Weisheit“) offiziell bestätigt wurde.[3] Dahui Zonggaos Erbe lebt in der Zen-Tradition fort: Seine Methode der Kanhua-Meditation über Kōan-Schlüsselsätze wurde zum festen Bestandteil der Linji-Schule und übte prägenden Einfluss auf die spätere Rinzai-Zen-Praxis in Japan aus.[1] Zudem sind viele seiner Lehrbriefe und Dharma-Vorträge – gesammelt im Werk „Swampland Flowers“ – überliefert und werden in der Zen-Schulung bis in die Gegenwart studiert.[3]

[1] Ding-hwa Hsieh: Eintrag „Zonggao“ in: Encyclopedia of Buddhism, Thomson Gale, 2004 (über Encyclopedia.com).
[2] Dahui Zonggao – Wikipedia (englisch), abgerufen am 28. November 2025.
[3] J. C. Cleary (Übers.): Swampland Flowers: The Letters and Lectures of Zen Master Ta Hui, Grove Press, New York 1977.


Aufentshaltsort:   China
Richtung:   Chan
Dharmanachfolger von:   Yuanwu Keqin
Dharmanachfolger:   Zhu'an Shigui


zur Übersicht Zen-Meister



Mitmachen

Der Zen Guide ist ein interaktives Portal für Zen Interessierte.

Das besdeutet das jeder mitmachen kann und Beiträge hinzufügen kann.

Die Teilnahme ist kostenlos.

Mitmachen

Zen-Wahrheiten als E-Mail Abo

Zen-Wahrheiten RSS Feed

Social Media

Find Zen Guide in Facebook

© Zen-Guide Deutschland
  • Startseite
  • Mitmachen
  • Impressum & Datenschutz
  • Kontakt