Zen-Texte | Shodoka

Yoka Daishi (nach Kodo Sawaki)

Shodoka

Yôka Genkaku, 665–713

Shôdôka: Das Lied des Erwachens



I

Freund, erkennst du nicht
diesen stillen Menschen des Weges, der Erwachen erlangt
und Grübeln wie Gehabe aufgegeben hat?
Er legt weder Illusionen ab noch sucht er weiter nach der Wahrheit.
Die wahre Natur unserer Unwissenheit ist keine andere
als unsere Buddha-Natur.
Unser leerer und illusionärer Körper ist der Dharma-Körper.
Wenn wir zum Dharma-Körper erwachen, gibt es nichts mehr.
Unsere eigene ursprüngliche Natur ist der wahre und immanente Buddha.
Die Wolken der fünf skandha treiben vergeblich hierhin und dorthin.
Die Blasen der drei Gifte entstehen und zerplatzen, leer.

II

Wenn jemand die Wirklichkeit der Dinge begründet,
bleiben weder Mensch noch Dharma übrig.
Das Karma der Avîci-Hölle ist sogleich ausgelöscht.
Sollte ich lügen, um dich zu täuschen,
möge meine Zunge auf ewig herausgerissen werden!

III

Im Augenblick, wo man plötzlich das Zen aller Buddhas erkennt,
sind die sechs großen Tugenden und zehntausend Übungen
vollständig in uns verwirklicht.
In unserem Traum unterscheiden wir deutlich die sechs Daseinsbereiche.
Nach dem Erwachen ist alles leer, nicht einmal das Universum verbleibt.

IV

Da ist weder Unglück noch Glück, weder Verlust noch Gewinn.
Im Frieden des Auslöschens gibt es nichts mehr zu suchen.
Bis zu diesem Moment hat sich Staub auf dem Spiegel angesammelt.
Heute ist die Zeit, sein Strahlen wiederherzustellen.

V

Wer ist Nicht-Denken? Wer ist un-geboren?
Wenn Un-Geburt wahr ist, dann existiert nicht einmal Nicht-Geburt.
Um zu erfahren, wann man durch Verdienstansammeln Buddha wird,
frag eine Marionette.

VI

Lass die vier Elemente hinter dir, behalte nichts zurück.
Im Frieden des Nirwana esse und trinke, wie es dir beliebt.
Alle Phänomene sind vergänglich, alles ist leer.
Solcher Art ist das große und vollständige Erwachen Buddhas.

VII

Einen wahren Mönch erkennst du an seiner entschlossenen Sprache.
Wenn du nicht zustimmst, überprüfe es selbst.
Das Schwert Buddhas dient dem Abschneiden an der Wurzel.
Was bringt es schon, Blätter zu zupfen und nach Ästen zu suchen?

VIII

Der Mensch erkennt das kostbare Mani-Juwel
tief in seiner Buddha-Natur nicht.
Die wundersamen Fähigkeiten der sechs Sinne
sind sowohl leer als auch nicht leer.
Das vollkommene Licht des Juwels ist eine Form ohne Form.

IX

Durch das Läutern der fünf Sichtweisen erlangt man die fünf Kräfte.
Wer Erwachen verwirklicht hat, kennt das Unfassbare.
Es ist nicht schwer, in einem Spiegel eine Form zu erkennen,
doch wie könnte einer das Spiegelbild des Mondes im Wasser ergreifen?

X

Stets alleine gehend, alleine wandernd, so sind
die Verwirklichten, die gemeinsam auf dem Weg des Nirwana reisen.
Seit alters entspricht die Reinheit ihres Geistes
einer natürlichen Vornehmheit.
Ausgemergelte Gesichter, hervorstehende Knochen
ziehen unbemerkt vorüber.

XI

Die Söhne Shâkyamunis bezeichnen sich selbst als arm.
In Wahrheit sind sie zwar körperlich arm, doch ihr Weg ist es nicht.
Sie sind arm, weil sie grobe Kleidung tragen.
Sie sind reich, weil sie in sich einen unermesslichen Schatz besitzen.

XII

Sie verwenden diesen Schatz, ohne ihn je zu verbrauchen,
überhäufen damit andere, jeden nach seinem Bedarf.
Die drei Körper und vier Weisheiten sind in ihrem Leib vollkommen.
Die acht Befreiungen und sechs Unterscheidungen
sind in ihren Geist eingeprägt.
Ein überlegener Geist schneidet mit einem Hieb durch
und erlangt Verständnis von allen Dingen.
Ein mittelmäßiger oder minderer Geist studiert und hinterfragt vieles.
Zieh deinem Geist einfach die schmutzige Wäsche aus,
aber gib vor anderen nicht mit deinen Fortschritten an.

XIII

Nimm Kritik und Beleidigungen an.
Ihre Absicht ist das Erzürnen der Himmel, doch sie bewirken nichts.
Ich höre und genieße sie wie süßen Nektar.
Sie schmelzen in mir, und sogleich trete ich ins Unfassbare ein.

XIV

Meditiere über schmähende Worte und mach sie zu deinen Freunden,
das wird dich auf dem Weg des Guten leiten.
Wenn eine Verleumdung in dir Hass erzeugt,
wie kannst du da die Weisheit und das Mitempfinden
des Ungeborenen manifestieren?

XV

Das Durchdringen der ursprünglichen Realität
und das Durchdringen der Lehre gehen Hand in Hand.
Wenn Konzentration und Weisheit vollkommen klar sind,
versauert man nicht in der Leere.
Mit diesem Verständnis bin ich nicht allein.
Alle Buddhas, so unzählig wie die Sandkörner des Ganges, sind wie ich.

XVI

Der Löwe brüllt von der furchtlosen Lehre.
Sie zertrümmert die Schädel der Tiere, die davon hören.
Auf der Flucht verliert der Elefant seine Würde.
Nur der Drache lauscht entzückt in der Stille.

XVII

Ich habe Flüsse und Ozeane durchquert, bin über Berge gezogen
und durch Ströme gewatet.
Auf der Suche nach dem Weg habe ich Meister befragt
und Zen praktiziert.
Nun, da ich den Weg Sôkeis gefunden habe,
weiß ich, dass mich Geburt und Tod nicht kratzen.

XVIII

Gehen ist Zen, Sitzen ist Zen.
Redend, schweigend, sich bewegend, ruhend, ist der Körper in Frieden.
Beim Anblick der Schwertklinge bleibt der Geist abgeklärt,
angesichts von Gift gelassen.
Mein Meister ist dem Buddha Nentô begegnet,
als er während zahlloser Kalpa der Asket Ninniku war.

XIX

Wie viele Male wurde ich geboren? Wie viele Male bin ich gestorben?
Geburt und Tod kommen und gehen ohne Ende.
Und doch, wenn jemand plötzlich das Ungeborene versteht,
freut er sich nicht über Lob und ist nicht über Tadel bekümmert.

XX

Ich dringe tief in die Berge vor, lebe in einer Klause
unter einer hohen Kiefer auf einem steilen Gipfel über dem Abgrund.
Ich sitze friedlich und sorglos in meiner bescheidenen Bleibe.
Stille Einkehr, heitere Einfachheit.

XXI

Wenn wir erwachen, begreifen wir, dass Verdienste nicht existieren.
Alles ist von der bedingten Welt verschieden.
Ein Geschenk, das man aus dem Wunsch macht,
in hohen Gefilden wiedergeboren zu werden,
ist ein Pfeil, der in den leeren Himmel geschossen wird.

XXII

Wenn seine Energie verbraucht ist, fällt er auf die Erde zurück
und riskiert, eine unerwünschte Wiedergeburt zu provozieren.
Wie kann man das mit dem Tor
der unbedingten Wirklichkeit vergleichen,
die man mit einem Sprung klärt, indem man das Land Buddhas betritt?

XXIII

Ergreife die Wurzel, mach dir keine Sorgen um die Zweige,
genau wie das durchscheinende Juwel das Licht des Mondes schluckt.
Ich weiß jetzt, dass dieses Wunsch erfüllende Juwel
mir selbst und anderen ein unerschöpflicher Schatz ist.

XXIV

Der Mond funkelt auf dem Fluss, der Wind spielt in den Kiefern.
Reines Dämmerlicht einer langen Nacht – warum all dies?
Buddha-Natur, das Juwel der Gebote,
ist in den Tiefen unseres Geistes eingeschrieben.
Niesel und Tau, Nebel und Wolken kleiden unseren Körper.

XXV

Die Schale hat die Drachen unterworfen, der Stab die Tiger getrennt.
Seine angehängten Metallringe klingen laut und klar.
Wir tragen diese Wahrzeichen nicht vergebens.
Aufs Engste folgen wir den Abdrücken von Buddhas Stab.

XXVI

Suche nicht nach Wahrheit, trenne dich nicht von Täuschung.
Verstehe, dass beide leer und frei von Eigenschaften sind.
Die Abwesenheit von Eigenschaften ist weder Leere noch Nicht-Leere.
Es ist die tatsächliche Realität Buddhas.

XXVII

Der leuchtende Spiegel des Geistes erleuchtet ohne Hindernis.
Seine immense Strahlkraft durchdringt unzählige Welten.
Hier geschieht es, dass die zahllosen Phänomene widerspiegeln.
Dies ist ein Juwel vollkommenen Lebens, ohne Innen noch Außen.

XXVIII

Plötzlich offenbart, vernichtet Leere
die Ketten von Ursache und Wirkung,
die Verwirrung, Chaos und Unglück anziehen.
Doch das Existierende abzulehnen und sich an die Leere zu hängen
ist ebenfalls eine Krankheit,
so als würdest du dich in ein Feuer stürzen, um Ertrinken zu vermeiden.

XXIX

Die Illusion ablegen wollen, um die Wahrheit zu erfassen,
deutet auf einen Geist mit Vorlieben,
der zu trügerischen Entscheidungen führt.
Einem Schüler, der so übt, mangelt es an Einsicht,
so dass er wahrhaftig einen Dieb für seinen Sohn halten könnte.

XXX

Wir vergeuden die Reichtümer des Dharma und zerstören sein Verdienst,
indem wir uns auf unterscheidendes Denken verlassen.
Darum lehnt ein Zenschüler dies ab,
um durch die Kraft unmittelbarer Erkenntnis
sogleich ins Ungeborene eintreten zu können.

XXXI

Ein bedeutender Mensch ergreift das Schwert der Weisheit
aus diamantener Flamme und prajnâ-Spitze.
Er zertrümmert nicht nur den Ketzergeist,
er macht auch die Frechheit Maras zunichte.

XXXII

Indem er die Trommel schlägt, aktiviert er den Donner des Dharma.
Er sendet eine Wolke voll Mitleid und Regenschauer aus Ambrosia.
Drachen und Elefanten frohlocken
und posaunen seine unermesslichen Wohltaten hinaus,
die alle Wesen der drei Fahrzeuge und fünf Familien erwecken.
Ungetrübt liefert mir das Hini-Gras der schneebedeckten Berge
die reine geklärte Butter, die allein mich nährt.
Eine Natur durchdringt vollständig alle Naturen.
Ein Phänomen enthält alle Phänomene.
Ein einzelner Mond erscheint im Wasser,
Myriaden Reflektionen gehen von ihm aus.
Der Dharma-Körper aller Buddhas durchdringt meine Natur,
meine Natur und Buddha bilden eine Natur.
Wenn eine Ebene durchschritten ist, dann sind es alle.
Da ist weder Form noch Geist noch karmisches Handeln.
Mit einem Fingerschnippen sind die achtzigtausend Lehren vollendet,
und in einem Augenblick sind die drei großen Kalpa vernichtet.
Zahlen und Worte sind weder Zahlen noch Worte.
Was haben sie mit meinem wundervollen Erwachen zu tun?

XXXIII

Weder lobens- noch tadelnswert,
wie grenzenloser Raum, der Körper leer,
ist es stets genau hier, klar und still.
Doch, Freund, wenn du danach suchst, wirst du es nicht finden.

XXXIV

Es kann weder angenommen noch abgelehnt werden.
Man kann es nur im Herzen des Unfassbaren ergreifen.

XXXV

Wenn Reden Schweigen ist und Schweigen Reden,
dann öffnet sich die Tür des großen Geschenkes von selbst,
ohne Blockierung.
Sollte mich jemand fragen, nach welchem Prinzip ich mich richte,
dann antworte ich: „Nach der Kraft der Weisheit.“
Was sind gut und böse? Keiner weiß es.
Fortschritt oder Rückschritt? Selbst der Himmel kann es nicht ermessen.
Meine Übung begann sehr früh und setzte sich über unzählige Kalpa fort.
Ich bin kein Witzbold, der mal eben so daherquatscht.

XXXVI

Um das Banner des Dharma zu hissen
und die Lehre unserer Schule zu etablieren,
bestimmte der klarsichtige Buddha den Mönch aus Sôkei.
Kâshyapa, der erste, übertrug die Lampe.
Seine Linie umfasst achtundzwanzig Generationen in Indien.

XXXVII

Nun ist sie über Flüsse und Meere in unser Land gekommen.
Bodhidharma war unser erster Patriarch.
Wir wissen, dass sechs Generationen die Robe weitergaben.
Zahllos sind ihre Nachfahren, die Erwachen erlangten.

XXXVIII

Wahrheit ist ohne Grundlage und Illusion von Beginn an leer.
Wenn wir zugleich Existenz und Nicht-Existenz aufgeben,
dann wird Nicht-Leere zu Leere.
Die zwanzig Tore der Leerheit sind ohne Grundlage.
Die Natur Buddhas ist eins, genau wie seine Essenz.

XXXIX

Am Anfang steht die Aktivität des Geistes,
die Phänomene als Staub erschafft.
Beides hinterlässt Spuren auf dem Spiegel.
Saubergewischt, erhält er seinen ursprünglichen Glanz zurück.
Nicht mehr vom Staub der Geistaktivität
und den Phänomenen behindert, erscheint wahre Realität.

XL

Ach! Der Dharma ist im Niedergang begriffen, das Böse regiert.
Den Wesen mangelt es an Tugend und Kontrolle ihrer Leidenschaften.
Je weiter der Heilige uns entschwindet,
desto umfassender werden die Irrlehren.
Dämonen sind mächtig, der Dharma schwach, und Hass wütet.
Wenn die Buddhalehre vom plötzlichen Erwachen bekannt wird,
sind viele frustriert, sie nicht wie einen Ziegel zertrümmern zu können.

XLI

Handlungen entstehen im Geist und erzeugen Vergeltung am Körper.
Es ist sinnlos, sich zu beklagen und andere zu beschuldigen.
Um ein Karma unaufhörlichen Leidens zu vermeiden,
ziehe die Lehren des wahren Buddha-Dharma nicht in den Dreck.

XLII

Der Löwe bereitet sich sein Lager
im dichten Blätterwald des Sandelholzwaldes,
wo kein anderer Baum wächst.
Allein, streift er in der friedlichen Stille des Waldes umher.
Alle anderen Tiere sind geflohen und halten sich fern.

XLIII

Eine Horde Löwenbabys folgt ihm.
Schon mit drei Jahren brüllen sie kräftig.
Selbst wenn hunderttausend Schakale den König des Dharma jagten,
wäre das Kläffen dieser Scheusale vergeblich.

XLIV

Die Lehre der plötzlichen Vollkommenheit
kennt keine menschlichen Vorlieben.
Wenn du ungelöste Zweifel hast, musst du mit ihnen ringen.
Als bescheidener Bergeinsiedler habe ich keinen persönlichen Standpunkt,
sondern fürchte mich, dass meine Übung in die Fahrrinne
von Nihilismus oder Eternalismus gerät.

XLV

Richtig und Falsch sind weder richtig noch falsch.
Liegst du nur ein Haarbreit daneben,
bist du schon tausend Meilen entfernt.
Richtig – und man wird Buddha wie die Tochter des Naga-Königs.
Falsch – und man wird lebendig in die Hölle geworfen wie Zenshô.
Viele Jahre lang habe ich Wissen angesammelt,
Kommentare studiert und Sutren herangezogen.
Ohne Pause habe ich Worte und Zeichen analysiert.
Die Sandkörner im Ozean zählend, habe ich mich sinnlos erschöpft.
Der Buddha hat mich ernsthaft ermahnt:
„Was bringt es denn, die Schätze anderer zu zählen?“
Ich habe mich in Sackgassen verlaufen
und die Fruchtlosigkeit meines Bemühens erfahren,
so viele Jahre vergeudet, indem ich den Staub der Welt durchschritt!

XLVI

Wenn eine spirituelle Übertragungslinie korrumpiert wird,
werden Wissen und Verständnis fehlgeleitet.
Dann finden wir keinen Zugang zum vollkommenen Erwachen Buddhas.
Die zwei Fahrzeuge besitzen Kraft, aber nicht den Geist des Weges.
Ketzer besitzen Intelligenz, aber keine Weisheit.
Wer dumm oder naiv ist,
wird von einer leeren Faust oder einem Zeigefinger genarrt.
Er hält den Finger für den Mond und strengt sich vergebens an.
Aus den Phänomenen, die seine Sinne erfassen,
formt er seltsame Hirngespinste.
Wer kein einziges Phänomen wahrnimmt, ist identisch mit dem Buddha.
Er verdient es wahrhaftig, Kanjizai genannt zu werden.
Durch klares Verständnis erscheint die Leere der Karma-Fesseln.
Ohne dieses Verständnis bleiben die karmischen Schulden bestehen.

XLVII

Obwohl sie hungrig sind,
verspeisen sie das königliche Mahl nicht, das man ihnen reicht.
Krank, konsultieren sie den König aller Ärzte,
halten sich aber nicht an seine Rezepte.
In dieser Welt der Begierden ist es die Kraft
des Erkennens und Verstehens, die die Übung des Zen erlaubt.
Der Lotus, der im Feuer blüht, ist unzerstörbar.
Obgleich er ein schweres Verbrechen begangen hatte,
erkannte Yuse das Ungeborene,
wurde unmittelbar ein Buddha und ist es noch heute.

XLVIII

Der Löwe brüllt die Lehre furchtlos hinaus.
Ach! Wie bedauernswert diese verwirrten und beschränkten Gemüter sind!
Sie verstehen bloß,
dass schwere Vergehen ein Hindernis fürs Erwachen sein sollen,
und sind unfähig, Buddhas Geheimnis zu durchdringen.
Zwei Mönche machen sich der Wollust und des Mordes schuldig,
und Upali, der nicht erleuchteter war als ein Glühwürmchen,
verschlimmerte noch ihre Schuld.
Beim großen Vimalakirti schmolzen sogleich ihre Zweifel dahin,
wie Frost und Schnee unter brütender Sonne.

XLIX

Die Macht der Befreiung ist unfassbar,
mit grenzenlos-wundersamen Auswirkungen,
so zahlreich wie die Sandkörner des Ganges.
Würde jemand wagen,
ihr nicht unsere vier Besitztümer zum Geschenk zu machen,
wo zehntausend Goldstücke nicht ausreichten?
Selbst unsere Knochen zu Pulver zerstoßen oder
unseren Körper in Stücke hauen wäre keine Wiedergutmachung.
Ein einziges Wort, das wohl verstanden ist, übertrifft zehntausend Worte.

L

Sie ist der Herr aller Existenzen, niemand übertrifft sie.
Alle Buddhas, die so zahlreich wie die Sandkörner des Ganges sind,
legen Zeugnis von ihr ab.
Nun verstehe ich die Natur des Mani-Juwels.
Es stimmt mit denen überein, die es vertrauensvoll empfangen.

LI

Man erkennt deutlich, dass da überhaupt nichts ist,
weder Mensch noch Buddha.
Myriaden von Universen sind Schaum im Ozean,
Heilige und Weise nur Blitze am Himmel.
Selbst wenn unsere Köpfe unter einem Eisenrad zerquetscht würden,
verschwände das vollkommene Licht
der Konzentration und Weisheit nicht.

LII

Selbst wenn sich die Sonne abkühlt und der Mond erwärmt,
können Maras Horden die wahre Lehre nicht zerstören.
Der hohe Streitwagen, von einem Elefanten gezogen,
naht friedlich heran.
Wie könnte eine Gottesanbeterin ihn von seinem Kurs abbringen?
Der große Elefant nimmt nicht an Hasenrennen teil.
Großes Erwachen macht sich nichts aus Kleinkrämerei.
Ermesse die Weite des Himmels nicht,
indem du durch einen Strohhalm schaust.
Freund, wenn du bis jetzt kein klares Verständnis erlangt hattest,
dann habe ich dir hiermit den Schlüssel gegeben.


[Übersetzt von Gido nach der Vorlage von Kôdô Sawaki]

Quelle: http://docs.google.com/document/d/13r-FHB0qZ7q0knE345NYoQNcHilZ1_8-THr6mTtEg6c

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Eingetragen von: schnippschnupp@yahoo.de

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