Zen-Texte | Die geheime Übermittlung der buddhistischen Praxis

Kodo Sawaki

Die geheime Übermittlung der buddhistischen Praxis

"Der leere Körper der Illusion ist der Dharma-Körper."

Dieser leere Körper, so wie er ist, ist nicht getrennt von der einen Geist-Natur. Mit anderen Worten, die absolute Geist-Natur ist das Leben. Haben wir eigentlich Leben in uns? Daß wir sterben müssen bedeutet nicht, daß wir kein Leben haben. Da Yoshida Shoin etwa dreißigjährig starb, müßte dann gesagt werden, daß er kein Leben hatte? Aber er schrieb: "Obwohl er die Folgen der Handlungen kennt, kann der japanische Geist nicht aufgeben." Seine absolute Geist-Natur wurde nicht melancholisch, obwohl er enthauptet wurde.

Der japanische Geist ist, was man auch immer sagen mag, fest verankert und wird nicht sterben. Hideyoshi war so, Kusungoki Masashige war so. Mit der Logik verstanden sie die Logik. Aber gerade deswegen vollendeten sie mit diesem leeren Körper der Illusion, der jeden Augenblick sterben kann, eine ewige unsterbliche Handlung.

Gewöhnlich brauchen wir jedoch den Körper nur dazu, uns zu überessen und unsere Verdauung zu ruinieren, zuviel zu trinken und einen Kater zu bekommen, unsere Arbeit zu vernachlässigen und pleite zu sein. Auf der einen Seite kann dieser leere Körper der Illusion eine Handlung des ganzen Universums vollenden, andererseits werden die begrenzten Handlungen dieser absoluten Geist-Natur von den anderen schnell vergessen und können sogar schädlich sein.

Es ist wirklich merkwürdig. Buddhismus ist einfach dieses Prinzip. Es ist die Frage, wie man dieses Leben zum höchsten Wohl leben kann.

Man nennt diese Art der Lebensführung absurd. Wen das klar verstanden ist, nehmen die Probleme ein Ende. Buddhismus ist der Versuch, ein Leben zu führen, das Bedeutung hat. Buddhismus hat nichts zu tun mit solch einer dummen, solch einer idiotischen Idee, wie, daß egal welche schlimmen Taten man begeht, man nach dem Tod ins Paradies kommt. Wie können wir die beste Lebensführung verwirklichen?

Die wichtige Frage ist: wie kann dieser leere Körper der Illusion, der jederzeit sterben kann, eine ewige, unsterbliche Handlung vollbringen? Wie macht man das? Durch den Wunsch, der Dharma-Körper zu werden. Dieser Wunsch, der Dharma-Körper zu werden, steht hinter den Anstrengungen in dieser Praxis und diesem Studium.

Ihr sagt, ihr wüßtet nicht, wie ihr Joshus Koan "Mu" lösen sollt. Es heißt, daß jemand auf allen Vieren ging, wie ein Hund "Wau, wau!" bellte und es so bestand. Gibt es denn so etwas Verrücktes?

Dies zeigt, daß man die ursprüngliche Situation um "Mu" herum nicht kennt.

"Wenn du im Dunklen die Stimme einer Krähe hörst, die keinen Ton von sich gibt, wirst du sie für einen Vater oder eine Mutter halten?" Um dieses Koan zu bestehen - sagt man - steckte sich jemand die Finger in die Ohren und krächzte "Krah, krah!" Gibt es denn so etwas Dummes?

Wie kann aus diesem Augenblick ein ewiges Selbst entstehen?

Wie kann dieser Moment vollkommen gelebt werden?

Dies ist im wesentlichen das, was wir Leerheit nennen. Jeder einzelne Augenblick muß vollkommen gelebt werden. Auf diese Weise ist der leere Körper der Illusion der Augenblick selbst, und der Dharma-Körper ist die Ewigkeit.

Das ist die wahre Praxis und das wahre Studium der buddhistischen Übung. Dies ist die geheime Übermittlung. Doch Buddhas Leben hatte schließlich eine Geburt und einen Tod. Unabhängig davon, daß er ein Buddha war, wurde er geboren und starb. Vielleicht ließen Drachen wohlriechenden Regen niedergehen und vielleicht quollen die Wasser aus der Erde, und vielleicht sagte er: "Oben im Himmel und unten auf der Erde bin ich allein verehrungswürdig" - ich weiß es nicht. Doch ich denke, daß er geboren wurde, ohne sich als Buddha zu sehen.

Und obwohl darüber gestritten wird, ob Pilze oder Schweinefleisch die Ursache waren, steht fest, daß er gestorben ist. Trotz seiner Buddhaschaft ist er tot. Doch welchen Augenblick seines Lebens wir auch betrachten, er ist vollkommen. Da ist nicht der geringste Makel. Das ist die Bedeutung des Namens "Der vollkommene Shakya Tathagata der unzähligen Tugenden".

Wir brauchen nicht einige Szenen hell zu beleuchten, wie im Theater. In jedem Augenblick war sein Selbst das volle Universum, jede Handlung kam aus dem vollen Universum; oder, zeitlich ausgedrückt, sein Selbst war ewig. Genau hier ist der leere Körper der Illusion der Dharma-Körper. Und dafür strengen wir uns an. Ist das, was ich tue, von Leben erfüllt? Ist mein Essen von Leben erfüllt?

Oftmals können die Leute mit dem Rauchen nicht aufhören, auch wenn ihnen der Arzt sagt, daß es schlecht für ihre Lungenkrankheit sei. Das ist das Weisheitsleben des Dharma-Körpers. "Das wahre Wesen der Täuschung ist die Buddha-Natur, der leere Körper der Illusion ist der Dharma-Körper." Bei unaufmerksamem Lesen gehen diese zwei Zeilen völlig verloren. Doch der getäuschte Mensch ist Buddha, genauso, wie er ist, ist er Buddha.


Quelle: The Homeless Kodo

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