Zen-Texte | ZEN-Gärten - Einfachheit - Natürlichkeit - Zeit

Dr. Wolfgang Hess

ZEN-Gärten - Einfachheit - Natürlichkeit - Zeit

ZEN - Gärten Einfachheit - Natürlichkeit - Zeit
Das Wesentliche eines Gartens liegt im Erkennen und Begreifen;
denn der Garten ist erst vollkommen, wenn er verstanden wird

Eine Fabel erzählt von einem alten Teemeister in Japan. Er hatte einen Garten geschaffen für seinen Freund, der am Meer lebte. Diesen Garten umgab eine hohe Hecke. Sie verwehrte den beiden einen Blick auf das Wasser. Sein Freund aber war unglücklich, weil er sein geliebtes Meer nicht mehr sehen konnte.
Eines Tages – er wandelte gerade durch seinen Garten– ging er zum Wasserbecken, um seine Hände zu waschen. Als er sich zum Becken nieder bückte, entdeckte er einen Spalt in der Hecke und gewahrte das tosende Meer.
Da erkannte er die Absicht in der Gestaltung des Gartens: Der Teemeister wollte seinen Geist anspornen. Er hatte eine Verbindung zwischen dem Wasser im Becken und dem großen Ozean entdeckt. Und damit auch die Beziehung zwischen sich und dem unbegrenzten Universum erkannt.
Diese kleine Erzählung stammt aus dem 16.Jahrhundert. Sie verdeutlicht die Philosophie, die hinter der vollendeten Gartenkunst steht.
Dabei wird die Gestaltung der Japanischen Gärten - auch Zen-Gärten genannt - von einfachen Richtlinien bestimmt:
Als Erstes muss die Einfachheit beachtet werden.
Alle Elemente werden klar strukturiert und besitzen keinen aufwendigen Zierrat. Hinzu kommt die Natürlichkeit.
Im Japanischen wird hierfür das Wort shizen verwendet. Es steht für die Vermeidung von Künstlichkeit.
So zeigen Japanische Gärten meist eine unsymmetrische Gestaltung, um die Natur, wie sie sich uns darstellt, besser einzufangen.
Auch der Begriff koko spielt eine wichtige Rolle in der Philosophie der Zen-Gärten. Er bedeutet soviel wie Alter und Zeit,
bzw. die Relevanz der beiden für das Erkennen.
yugen und miegakure sind vielleicht die zwei wichtigsten Elemente für die Gestaltung. Das Erste steht für die Unklarheit und
Dunkelheit als Übermittler des Geheimnisvollen und Unergründlichen.
Es soll den Scharfsinn fördern, wie bei dem Freund des Teemeisters.
Der andere Begriff fordert die Vermeidung des vollen Ausdrucks, um das Konzept des yugen -also des Nachdenkens - noch einmal zu
unterstreichen.
Diese beiden Elemente verdeutlichen den wichtigsten Gedanken für die Gestaltung eines Japanischen Gartens:
In der Zusammenstellung von Steinen, Wasser und Pflanzen liegt immer mehr, als das bloße Auge entdecken kann.
Es ist nicht nur die äußere Betrachtung der Dinge. Sondern auf den tieferen Sinn dahinter kommt es an.
Es gilt den Kern zu erfühlen und zu ergründen.
So wird der Zen-Garten zu einem Ort der ruhigen Gedanken, entworfen und geschaffen um beides zu nähren,
das Herz und die Seele des Menschen.

Hat man dieses Prinzip verstanden, geht es einem wie dem Freund des Teemeisters.
Er begriff, dass nicht mehr sein menschlicher Maßstab eine Rolle spielte, sondern dass er vom Garten vereinnahmt wurde.
Er war nicht mehr Besitzer oder Betrachter seines Gartens, sondern zum Teil eines Ganzen geworden

Dieses Gesamtkonzept begründet sich auf dem ZEN-Buddhismus.
Ursprünglich aus China stammend, hatte dieser im 13.Jahrhundert einen kräftigen Einfluss auf Japan und seine Gärten.
Und so stammen die Japanischen Gärten aus China.
Schon der erste Garten, der in Japan im Jahre 607 gestaltet wurde bezog sich direkt auf die chinesischen Gärten.
Die Chinesen entwarfen ihre Gärten als verkleinerte Weltdarstellung, als die weltliche Darstellung des Paradieses:
Hügel verkörperten Bergketten, Teiche inländische Meere, Gehölze standen für pfadlose Wälder.
Diese Parks wurden von Herrschern und reichen Edelleuten der Gesellschaft nach eigenen Entwürfen in Auftrag gegeben.
Ihre Gäste sollten sich darin dem kultivierten Vergnügen hingeben und den Göttern näher sein.
In ihm wurde gespielt und er galt als Szenario für Lesungen und musikalische Unterhaltungen.

Im 9.Jahrhundert entfernten sich die Japaner von der chinesischen Art der Gartengestaltung und entwarfen eigene Ideen.
Dann mit der Übernahme des ZEN im 13.Jahrhundert entstehen die eigentlichen ZEN-Gärten.
Die Gärten werden abgewandelt.
Sie sind nun nicht mehr Ort der Gruppenvergnügung, sondern eine Stätte, die die eigene Meditation fördern möchte.
Wandelgärten mit versteckten und erkennbaren An- und Absichten heißen die Stichwörter.
Der Betrachter durchwandelt den Garten, während er besinnlich die sich ändernden Ansichten der Landschaft betrachtet
und dabei auch geistig neue Blickwinkel entdeckt.
Schon bald beeinflusst der ZEN-Buddhismus alle Künste und so erweitert sich auch die Bedeutung der ZEN-Gärten.
Sie werden u. a. für die bedeutende Tee-Zeremonie eingesetzt.
Zudem verändert sich die Gestaltungsart der Gärten.
Der Trocken-Garten als die Verkörperung der ZEN-Landschaft hält Einzug.
In diesem finden sich weder Pflanzen noch Bäume noch Wasser.
Er besteht einzig aus geharktem Sand und Felsgruppierungen.
Heute wird der kulturelle Wert dieser Gärten wieder entdeckt.
Alte Gärten werden restauriert und erfreuen sich ständig wachsender Besucherzahlen, vor allem auch durch die Japaner selbst.
Und nicht nur in Japan werden neue ZEN-Gärten geschaffen.
Weltweit kann man inzwischen in Japanischen Gärten wandeln und seinen Gedanken nachhängen auf der
Suche nach Erkenntnis.

Dr. Wolfgang Hess;
Schloß Eickhof, Liebenau 2004
www.zengardens.de
http://www.zenpage.de


Quelle: www.zenpage.de

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