Zen-Texte | Der Faden der Spinne

Kurogane

Der Faden der Spinne

Eines Tages ging Buddha Shakyamuni an einem Teich vorbei. Auf dessen Boden befand sich die Hölle. In ihr tummelten sich unzählige Sünder.
Unter ihnen war auch einen Mann, der viele Sünden in seinem Leben begangen hatte wie Morde, Raub, Brandstiftungen und Plünderungen.

Shakyamuni aber sah auch eine gute Sache, die der Mann getan hatte: Er ließ eine Spinne, die einmal seinen Weg kreuzte, aus Mitleid und Mitgefühl am Leben.

In seiner Güte nahm Buddha eine Spinne vom Blatt eines Lotos´, der auf dem Teich blüte. Von der Spinne ließ er einen Faden zum Grund des Teiches hinab. Als der sündige Mann den rettenden Faden sah, ergriff er ihn und kletterte an ihm hinauf. Da der Faden aber sehr lang war, musste er auf halber Strecke Atem schöpfen. Dabei sah der Mann, dass auch andere Sünder am Faden unter ihm hochkletterten. Aus Furcht und Zorn, der Faden könnte reißen, rief er zu den anderen: „Ich habe euch nicht gestattet, an meinem Faden hochzuklettern, also lasst ihn sofort los!“

Oh, dieser arme Mann! Kaum ausgesprochen, riss der Faden über ihm ab und der Mann stürzte mit all den anderen Sündern wieder zurück in die Hölle und erleidet noch immer unermessliche Qualen.

(chinesische Legende)


Des Shakyas Mitgefühl war groß.
Der Faden richt´ge Länge misst.
Nun hilft dem Mann nicht mal ein Floß
Doch bleib´, bis er gerettet ist.


Quelle: chinesische Legende

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